Predigten

Letzte Aktualisierung: 11.12.2016

Katholische Pfarrei
Liebfrauen Leipzig-Lindenau

(Maria Himmelfahrt)

 

  • Folgende Predigten liegen im Archiv:
  • Predigt v. 25.07 2010 – Abraham
  • Predigt am 11. Juli 2010
  • Begegnung Jesu mit der Sünderin
  • Fastenpredigten 2010
  • Karfreitagspredigt 2010
  • Büttenpredigt 2011
  • Fastenpredigten 2011
  • Büttenpredigt 2012
  • Kirchweihpredigt 2012
  • Fest Hl. Familie
  • Hirtenwort 2014
  • Figurenpredigt
  • Pfingstpredigt, Mai 2016
  • Predigt am 09.10.16
  • Predigt am Reformationstag von Pfarrer Thomas Bohne
  • Predigt am Reformationstag von Dr. Jürgen Grabner

 

 

 

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Sonntagspredigten
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Predigt vom Sonnntag, 25.07.2010, 17. So. im Jahreskreis,
Pfarrer Thomas Bohne

Liebe Gemeinde,
von dem russischen Dichter Tolstoi ist wohl der Satz überliefert „Wenn ein Wilder seinen Gott aus Holz wegwirft, ist letztlich nur sicher, dass sein Gott nicht aus Holz ist“.
Mit Blick auf das heutige Evangelium gesprochen, könnte es dann heißen: „Wenn wir Gott vergebens gebeten haben, wenn sich für uns nicht erfüllt hat „Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet." (Lk 11,9 f) – dann haben wir uns letztlich nur an den falschen Gott gewandt, nur den falschen Gott gebeten, nur mit den falschen Gottesvorstellungen gebetet.
In dieser Woche wurde wieder an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vor 66 Jahren gedacht. Öfters war in diesem Zusammenhang immer wieder zu hören, warum ist das nicht in Erfüllung gegangen.
Wollte Gott denn wirklich zu lassen, dass durch das gescheiterte Attentat noch Millionen von Menschen sterben müssen. Gibt es Gott angesichts dieses Scheiterns überhaupt ? Es ist doch soviel gebet worden.
Sicherlich ist zu Gott gebetet worden. Viele der Verschwörer, einschließlich der Frauen, haben dies als gläubige Menschen begleitet. Stauffenberg, der das Attentat letztlich durchgeführt hat, war sogar ein Tag vor dem Attentat noch zur Beicht.
Doch es gibt gerade aus der Reihe der sogenannten Verschwörer genügend Zeugnisse, dass diese eher mit einem Scheitern gerechnet haben und doch eine gläubige Sicht behielten.
So schrieb Generalmajor Henning von Tresckow, der als Mitverschwörer einen Tag nach dem gescheiterten Attentat sich das Leben, nahm in sein Tagebuch:
„Wenn ich in einigen Stunden vor den Richterstuhl Gottes treten werde, um Rechenschaft abzulegen über mein Tun und Unterlassen, so glaube ich mit gutem Gewissen das zu vertreten zu können, was ich im Kampf gegen Hitler getan habe. Wenn Gott einst Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott auch Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird. Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit sein Nessushemd (gemeint: Totenhemd) angezogen."
So nimmt Henning von Tresckow auf den alttestamentlichen Text bezug, der ebenfalls zu den biblischen Texten des heutigen Sonntages gehört. Und auch in diesem Text geht es um das Bitten und das Ringen mit Gott.
Und obwohl das Attentat gescheitert war, obwohl der verheerende Krieg dadurch nicht beendet werden konnte, hat für Trescow das Handeln Sinn gehabt; hatte er das Vertrauen, dass Deutschland nicht untergeht; hatte er die Zuversicht, dass Gott letztlich das Handeln und Bitten einer kleinen Schar beachtet.
Mit Blick auf die spätere Geschichte Deutschlands und mit Blick auf die heutige Welt, vor der Deutschland auch als friedensstiftende Nation eine hohe Achtung und Wertschätzung genießt, hat Tresckow letztlich Recht bekommen. Auch mit Blick auf das Attentat selbst, in der Welt wurde dadurch vielen bewusst, dass, wie die engländer einmal gesagt haben, nicht alle „bad german nazis“ (schlechte deutsche Nazis) sind.
Aus dieser Sicht könnte man auch sagen: Gott erfüllt, Gott lässt sich finden; doch nicht immer gleich – und manchmal erst nach einem sehr langem Weg und in viel größeren Zusammenhängen.
„Wer sucht, der findet“ (Lk 11,9), ein Satz der sich auch heute bewähren muß. Angesichts der Katastrophen um uns herum.
Wo war Gott?, werden heute Angehörige und Eltern fragen, welche die Toten der gestrigen Katastrophe von Duisburg beklagen.
Wo ist Gott, lässt er sich finden, fragt sich in diesen Stunden und Tagen auch so mancher Seelsorger und Notfallseelsorger, der mit den Angehörigen um Antworten und Trost ringt.
Gott lässt sich finden. Diese Zuversicht gilt immer. Damals und heute und gerade jetzt im Angesicht großer Katastrophen.

  • 18:26 Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.
  • 18:27 Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.
  • 18:28 Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nichtvernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.
  • 18:32 Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.
  • 18:33 Nachdem der Herr das Gespräch mit Abraham beendet hatte, ging er weg, und Abraham kehrte heim.
Diese Verse aus dem Buch Genesis oder 1. Buch Mose könnten eine Folie für das Handeln der Männer des 20. Juli abgegeben haben. Reichte auch der Kreis von Stauffenberg, Olbricht, Beck und anderen im Bendlerblock bis zu den Offizieren Stülpnagel an der Westfront und Tresckow an der Ostfront, so war es doch ein relativ kleiner Kreis von Mitverschwörern, die entschlossen waren, unter Einsatz ihres Lebens Adolf Hitler zu töten und damit den Wahnsinn des Zweiten Weltkrieges zu beenden.
Die Männer des 20 Juli waren davon überzeugt mit diesem Attentat eine patriotische Tat im Dienst am Gemeinwohls und letztlich im Dienst an Deutschland zu vollbringen.
General Olbricht, an dessen Gedenkstein wir hier in der Olbrichtkaserne stehen, hat am 20 Juli nach dem Scheitern des Attentates gesagt, ich zitiere:
„Ich weiß nicht, wie eine spätere Nachwelt mal einst über unsere Tat und über mich urteilen wird, ich weiß aber mit Sicherheit, dass alle frei von irgendwelchen Motiven gehandelt haben und wir in einer schon verzweifelten Situation das Letzte gewagt haben, um Deutschland vor dem völligen Untergang zu bewahren. Ich bin überzeugt, dass das unsere Nachwelt einst erkennen und begreifen wird." (1)
So drückt sich hier die feste Überzeugung solchen Handelns aus, auch wenn solches Handeln zu keinem sichtbaren Erfolg, ja zu einem offensichtlichem Scheitern führt.
Stauffenberg soll Ähnliches schon vor dem 20. Juli 1944 gesagt haben, Zitat:
„Das Furchtbarste ist zu wissen, dass es nicht gelingen kann und dass man es dennoch für unser Land und unsere Kinder tun muss." (2)
Es stellt sich mir hier die Frage, nach der Notwendigkeit eines Tuns, dass nicht vom sichtbaren oder kalkulierbaren Erfolg abhängt.
Mit Blick auf die eingangs zitierten Bibelverse würde das heißen, dass vor Gott das gerechte Handeln Einzelner oder weniger entscheidend ist, um Unheil und Zerstörung von einem ganzen Volk abzuwenden.
Henning von Tresckow, einer der Mitverschwörer, der einen Tag nach dem gescheiterten Attentat freiwillig aus dem Leben ging hat sich sogar mit Blick auf diese Bibelstelle geäußert.

„Wenn ich in einigen Stunden vor den Richterstuhl Gottes treten werde, um Rechenschaft abzulegen über mein Tun und Unterlassen, so glaube ich mit gutem Gewissen das zu vertreten zu können, was ich im Kampf gegen Hitler getan habe. Wenn Gott einst Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, dass Gott auch Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird. Niemand von uns kann über seinen Tod Klage führen. Wer in unseren Kreis getreten ist, hat damit sein Nessushemd angezogen. Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben." (3)
Leider haben diese Männer die nahezu vollkommene Zerstörung Deutschlands und die noch folgende Vernichtung von Millionen von Menschen nicht mehr aufhalten können.
Doch wie im biblischen Text angesichts der vollkommenen Zerstörung Sodoms letztlich die Verheißung von Rettung eine Rolle spielt, können wir jetzt nach über 60 Jahren auf eine Rettung zurückschauen.
So ist Deutschland schon seit langem wieder in den anerkannten Kreis der Völkergemeinschaft Zurückgekehrt, der Gedanke der Unantastbarkeit der Menschenwürde ist fest in unserem Grundgesetz verankert, militärisches Handeln geschieht in Abstimmung mit der demokratisch und rechtstaatlich orientierten Völkergemeinschaft und das Gedenken an die Männer des 20. Juli gehört zum festen Bestand der Traditionspflege der Bundesrepublik Deutschland und speziell der Bundeswehr.
Neben solchem Rückblick und solcher Dankbarkeit ist aber das damalige Handeln dieser Offiziere auch heute noch Mahnung und Orientierung aus meiner Sicht.
Eine Orientierung unabhängig von kalkulierbarem Erfolg sondern nur an der eigenen Überzeugung etwas Richtiges für das Gemeinwohl tun zu müssen, ist Motor für couragierte Schritte eines jeden Einzelnen.
Angesichts von einer drohenden Klimakatastrophe, eines schleichenden Ausstieges der Wirtschaft aus ihrer sozialen Verantwortung und einer Diskussion, dass die Menschenwürde nicht in jedem Fall unantastbar sei ist aus meiner Sicht beispielhaftes Handeln und Äußern des Einzelnen gefragt und notwendig.
Fragen wir in uns hinein, fragen wir, was ich jetzt verantwortungsvoll tun muß und vertrauen, dass auch das Handeln von wenigen Gerechten vor Gott Beachtung findet und seine Bedeutung für unser Gemeinwohl haben kann.
Und so kann ein Gebet des großen Humanisten und gläubigen Mannes Mahathma Gandhi eine Hilfe und Orientierung sein:
Ich will bei der Wahrheit bleiben.
Ich mich keiner Ungerechtigkeit beugen.
Ich will frei sein von Furcht.
Ich will keine Gewalt anwenden.
Ich will guten Willens sein gegen jedermann. (4)

Amen

Quellen:

(1) Friedrich Olbricht am 20 . Juli 1944, Friedrich Georgi, Soldat im Widerstand – General der Infanterie Friedrich Olbricht, 2. Aufl., Berlin 1988, S. 70

(2) nach der Version von Hoffmann, Klaus Schenk Graf von Stauffenberg, S. 395

(3) Schlabendorff, Offiziere gegen Hitler, S. 109, 129

(4) Mahatma Gandhi

»Man sieht und handelt nur
mit dem Herzen gut«

(Predigt am 11. Juli 2010, in der Liebfrauenkirche, 10.00 Uhr, Pfarrer Bohne)

83% aller möglichen deutschen Fernsehzuschauer sahen am vergangenen Mittwoch das Fußballspiel Deutschland gegen Spanien. Sie sahen letztlich die Freude der Spanier und die Trauer der Deutschen und waren selber traurig. Weit nach dem Abpfiff des Spieles konnte man noch Bilder sehen, welche das südafrikanische Fernsehen übermittelt hat.
Eins davon: Ein kleines Mädchen mit den deutschen Nationalfarben auf den Bäckchen, einer Mütze in den deutschen Nationalfarben das weinte, selbst die Eltern konnten es nicht mehr trösten. Ein zu Herzen gehendes Bild der Traurigkeit. Vielleicht ging das Weinen eines kleinen Mädchens der Welt mehr zu Herzen als ein möglicher Punktsieg für die deutsche Nationalmannschaft an diesem Tag, hat vor der Welt vielleicht mehr gepunktet. Vielleicht hat dieses zu Herzen gehende Weinen und die Traurigkeit des kleinen Mädchens mehr für die Deutschen oder das Mitgefühl mit den Deutschen getan als vielen bewusst ist.
Und die Statistiker meinen, 2 Milliarden haben dieses Spiel und diese Bilder weltweit gesehen, jeder dritte Mensch! Ein Weinen das zu Herzen ging! "Man sieht nur mit dem Herzen gut", hat der französische Dichter Antoine de Saint Exupery in der berühmten Geschichte „Der kleine Prinz" einmal geschrieben.
„Man sieht nur mit dem Herzen gut" , könnte man auch über das heutige Evangelium vom „Barmherzigen Samariter" schreiben. Er sieht als einziger die Not auf der Straße, wie so schön zu lesen war, er hatte Mitleid.
Mit Blick von einem Fußballspiel könnte man sagen, dieser Mann hat als einziger von den drei Männern vor Jesus wirklich gepunktet, durch Mitleid, durch einen barmherzigen Blick.

– Der Levit nicht, der in seiner Zeit möglicherweise viele Sorgen hatte. Sein Berufstand war zur Zeit Jesu nicht mehr das, was er einmal war. Der wusste vielleicht nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Vielleicht sah er nur noch sich und seine Sorgen, eine Parallele, die es heute genauso gibt. Sein Herz blieb unberührt und blind, und das war falsch.
– Der andere, ein Tempelpriester der damaligen Zeit, im Gegensatz zum Leviten ein Mann mit Zukunft. Aber auch die bewahrt ihn nicht vor der Blindheit des Herzens. Und solche Menschen, die nur an ihre eigene Zukunft denken, nur ihr eigenes Fortkommen und ihre eigene Zukunft im Blick haben und blind und gefühllos sind für die Nöte der neben sich, gibt es heute auch genügend.
– Dagegen nun der sogenannte barmherzige Samariter. Er hätte am wenigsten Grund zum Helfen gehabt. Er gehörte nicht zu dem Volk des Überfallenen, weder zur Nation noch zur Verwandtschaft, es gab keinen vernünftigen Gedanken, der ihn zur Hilfe veranlasst hätte, sondern nur ein mitleidiges und mitfühlendes Herz, und gerade das war in den Augen Jesu die richtige Sicht, die richtige Gottessicht, der richtige Gottesdienst: „Gott mit ganzem Herzen zu lieben, mit ganzer Seele und deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst", zitiert Jesus im heutigen Evangelium die Heilige Schrift.

Gottesdienst durch Nächstenliebe, durch Dienst am Nächsten, durch ein mitfühlendes Herz, durch Barmherzigkeit – wie der barmherzige Samariter. Wir gehören zu einem lebendigen Gott, der letztlich mit dem Lebendigsten oder dem Zentralsten unserer Lebendigkeit zu finden ist: mit unserem Herz.
Wenn zum Beispiel das Herz aussetzt ist es zu Ende mit unserer Lebendigkeit, ist unser Leben zu Ende. Bei vielen anderen Organen gibt es dagegen noch die Chance eines Überlebens. Deshalb scheint am meisten vor dem Leben stiftenden Gott, dem lebendigen Gott und letztlich im Leben zu punkten, was über das Herz geht: Vielleicht ein zu Herzen gehendes Weinen eines kleinen Mädchens. Das Gefühl des Mitleids gegenüber der nächsten Not, die mir gerade begegnet, der Nächste, der mich anrührt und mich betroffen macht. Dem zu folgen, führt letztlich zu Gott - und wenn es am Straßenrande, am Ende einer Fußballübertragung, einfach am Rande geschieht. Amen

(gekürzt)

Predigt

AM 13. JUNI 2010, Pfarrer Thomas Bohne, 10.00 Uhr , Liebfrauen »Die Begegnung Jesu mit der Sünderin«:
Lk 7,36-50

Liebe Gemeinde,

das heutige Evangelium enthält einige Ungeheuerlichkeiten, die es meiner Meinung nach zu beachten gilt: Zum Einen waren der Pharisäer Simon und seine Gäste nicht zufällig in einem geschlossenen Raum . Sie hielten sich für diejenigen, welche die Gesetze und Vorschriften beachten; also zu den Gesetzestreuen und den Gottesnahen , so könnte man sagen, gehörten. Sie unterschieden sich von denen, welche die Gesetze weniger oder gar nicht befolgten. Kurz: Sie unterschieden sich von den Sündern. Sie gehörten eher zu den Reinen und die anderen zu den Unreinen. Deshalb schlossen sie sich auch von den anderen ab und sahen zu, dass kein Unreiner oder eine Unreine ihre Gruppe betrat. Und möglicherweise wollten Simon und seine Gesellschaft Jesus in ihren Kreis aufnehmen und ihren Kreis mit Jesus vervollkommnen und aufwerten. Doch das Ungewollte geschieht. Eine ortsbekannte Sünderin betritt die geschlossene Gesellschaft, oder besser gesagt: bricht in die geschlossene Gesellschaft ein. Die Gruppe verliert ihre Geschlossenheit und das Etikett ihrer Reinheit.
Doch das Ungeheuerliche ist damit noch nicht zu Ende. Jesus, der als Meister und vorbildlicher Lehrer anerkannt wurde, schickt die Frau nicht etwa weg, sondern lobt sie für ihre Bereitschaft zur Umkehr und ihre Liebe, während er den Pharisäer Simon für seine Haltung und Taten eher tadelt.

Das kehrt alles bisher Übliche um: Nicht „keine Fehler machen" und zur „Gruppe der Fehlerlosen" sich zählen gilt. Sonder wie ich mit meinen Fehlern umgehe und bereit bin, meine Fehler einzugestehen und so meine Abgeschlossenheit und Sündhaftigkeit zu durchbreche. Mal abgesehen davon, dass für Jesus die Pharisäer auch Sünder sind und keinen Grund haben, sich als rein und fehlerlos zu fühlen.

In diesen Tagen blicken viele in Deutschland auf das Land Südafrika. Nicht nur der Ort als Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft interessiert, sondern auch die Geschichte dieses Landes rückt in das Interesse der Öffentlichkeit. 1994 kam es dort zu dem historischen Händedruck zwischen Mandela als Vertreter der entrechteten schwarzen Bevölkerung und Klerk, als Vertreter der unterdrückenden weißen Bevölkerung.

16 Jahre danach gibt es allerdings weiter großes Unrecht in Südafrika: teilweise wird von einem umgekehrten Rassismus gesprochen. Weiße Südafrikaner werden teilweise beschimpft und müssen um ihre Häuser fürchten. Doch andererseits ist die Armut gerade der schwarzen Bevölkerung Südafrikas ungeheuer hoch: Der katholische Bischof Kevin Dowling von Rustenburg, wo am Samstag das Spiel England gegen USA stattfand, hat kürzlich daran erinnert, dass die Schwarzen kaum Geld haben werden für Eintrittskarten. Hunderttausende leben unter schockierenden Bedingungen in Baracken-siedlungen. Niemand von ihnen wird je das Geld haben selbst ein preiswertes Ticket kaufen zu können. So in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart" zum Thema „Fußball und Südafrika" In dem Artikel, der mit „Am Kap der nächsten Hoffnung" überschrieben ist, heißt es weiter:

"Im neuen Südafrika gibt es auch Ereignisse, die hoffen lassen. Beispielsweise die Geschichte des wegen eines Attentates verurteilten weißen Mörders Stephen Daniel Coetzee. Dieser hatte 1996 in einem Einkaufsviertel der Schwarzen in Worcester zwei Bomben zur Detonation gebracht. Vier Menschen starben, siebzig wurden verletzt. Er bat die Gefängnisleitung eines seiner Opfer sprechen zu dürfen, er wollte um Verzeihung bitten. Olga Macingwane, die bei dem Anschlag so verletzt wurde, dass sie lebenslang schmerzende und verkrüppelte Beine hat, gehört zu einer Kommission, die über die Begnadigung von Häftlingen entscheidet. Coetzee war unter den Amnesty-Kandidaten. Er und Macingwane trafen sich im November des letzten Jahres. „Ich bin nicht hier um ihm zu vergeben", sagte die Menschenrechtlerin. Doch die Begegnung verlief anders als gedacht. Beide sprachen zunächst über die Planung des Attentates, über die Haft, über den Hass auf Schwarze und wie Coetzee ihn überwunden hatte, über Reue und Wiedergutmachung. Schließlich sagte Olga Macingwane: „Ich kann dich nicht hassen“ Sie umarmte ihn und vergab ihm. „Nachdem ich Stephan vergeben hatte, verlor das Etikett Opfer die Macht über mich. Körperlich werde ich natürlich immer unter Schmerzen leiden. Aber seelisch habe ich endlich so etwas wie Frieden gefunden. Ich bin nicht mehr Olga, das Opfer. Nur noch Olga".

Und in dem Artikel heißt es zum Schluß: „So hangelt sich das Land am Kap der guten Hoffnung weiter – von einer Hoffnung zur nächsten Hoffnung, nach der WM." (Vgl.: CIG, Nr. 24/2010, S. 272)

Das ist eine moderne Sündergeschichte. Hier geht es zwar nicht um die gesetzestreuen Pharisäer, die abgeschlossen für sich leben, sondern eher um die Opfer, die abgeschlossen und unversöhnlich zunächst niemanden an sich ranlassen und Hass in sich tragen und keine Hand zur Versöhnung ausstrecken. Auch geht es nicht um eine öffentlich bekannte Sünderin, jedoch um einen bekannten Verbrecher, Sünder und Gefangenen, der um Vergebung bittet und Reue zeigt.

Beide sprechen miteinander, beide durchbrechen ihre Etiketten als Opfer und Verbrecher.

Beide begegnen sich als Menschen. „Ich bin nicht mehr Olga, das Opfer. Nur noch Olga", sagt Olga Macingwane und „Ich kann dich nicht mehr hassen", sagt sie zu dem Attentäter Stephan.

Wie in der Geschichte mit dem Pharisäer und der Sünderin geht es hier um den Umgang mit der Sünde, um das Eingestehen von Schuld und um die Erfahrung von Vergebung. Ich denke, es ist christlich, wenn wir durch Vergebung dem Menschen wieder begegnen und nicht in Opfer- und Täterrollen erstarren. Dass wir aus jeder Form von Abgeschlossenheit und Selbstgerechtigkeit aufbrechen und uns auf gleicher Augenhöhe als Menschen begegnen.

Denn Jesus Christus ist der Mensch gewordene Gottes Sohn, der uns von Lieblosigkeit und Hass und allen Formen von Schuld und Sünde befreit hat und uns menschlich, letztlich in jedem Menschen begegnen will.

Amen

 

Fastenpredigtzyklus

Das Leipziger Oratorium hielt wie in jedem Jahr in der Fastenzeit die Fastenpredigten innerhalb der Sonntagsmessen.

In diesem Jahr sollten im Blick auf den kommenden ökumenischen Kirchentag Persönlichkeiten der Ökumene oder ökumenische Menschen im Mittelpunkt stehen.

Und darum ging es in den Predigten:
(als PDF-Version zum Herunterladen)

Predigt
am Karfreitag 2010 zum Thema "Missbrauchsfälle"

(hier auch als PDF zum Herunterladen)

Liebe Gemeinde,
am heutigen Karfreitag wird es in den großen Fürbitten der Kirche eine zusätzliche Fürbitte geben:
„Lasst uns beten für die Kinder und Jugendlichen, denen inmitten des Volkes Gottes, in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden; wir beten auch für diejenigen, die schuldig geworden sind und sich schwer versündigt haben an jungen Menschen, die ihrer Sorge und Obhut anvertraut waren.“
Diese durch die Deutsche Bischofskonferenz vorgeschlagene Bitte ist Ausdruck einer Erschütterung, die besonders die deutschen Katholiken und die deutsche katholische Kirche in den letzten Monaten erfährt und durchlebt. Wer hätte noch am Anfang des Jahres gedacht, dass es einmal einen so eklatanten Vertrauensverlust, wie wir ihn zur Zeit erleben , gegenüber unserer Kirche geben wird.
Ausgelöst wurde diese Erschütterung durch den jetzigen Rektor des Berliner Canisius-Kollegs der Jesuiten Pater Mertes, der Ende Januar den sexuellen Missbrauch durch Ordens-Priester gegenüber Schülern innerhalb dieser Schule öffentlich machte: Lehrer des Ordens haben in den 70iger und 80iger Jahren Schüler des Berliner Canisius - Kollegs sexuell missbraucht.
Pater Klaus Mertes, der heutige Direktor des Canisius-Kollegs, vermutet, dass es sich bei den erst jetzt bekannt gewordenen Fällen an der Schule nur um die Spitze des Eisbergs handelt. „Was bei uns sichtbar geworden ist, passiert aber auch an anderen Schulen, nicht nur an katholischen“ In seinem Vorgehen unterscheidet sich Mertes von den sonst üblichen Verhaltensmustern. Bereits in dem Brief an sechshundert Schüler der betroffenen Jahrgänge hat er die Geschehnisse schonungslos offengelegt und höchst selbstkritisch nach den Strukturen in Schule, Jugendarbeit, Orden und Kirche gefragt, die sexuellen Missbrauch begünstigen. Was viele allerdings nicht mehr wissen und die Medien eher verschweigen: Es war ein Vertreter der katholischen Kirche selbst, der den Missbrausskandal ins Rollen gebracht hat. Pater Klaus Mertes jedenfalls hat mit der Schönfärberei „An unserer Schule läuft alles vorbildlich" gebrochen. Zu Recht lobte der Beauftragte der Bischofskonferenz bei der Bundesregierung Karl Justen, dass der Schulleiter „sich offensiv um Aufklärung der Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg bemüht und sogar riskiert, den Ruf des Gymnasiums zu beschädigen." Er hat den Mut gehabt, das Schweigen, eben auch das eigene, zu brechen und die Opfer um Hilfe bei der Aufarbeitung der Schattenseiten zu bitten.
Doch was dann kam, konnte Pater Merten nur ahnen: Ähnliche Fälle in Vechta, in Kloster Ettal und anderen katholischen Einrichtungen in Deutschland. Was er auch nicht wissen konnte, war eine seit Jahrzehnten nicht da gewesene Medienkampagne mit Negativschlagzeilen gegen die katholische Kirche über Wochen und Monate. Das Ergebnis ist, dass sich Priester teilweise in Priesterkleidung nicht mehr auf die Strasse wagen, weil sie Angst haben beschimpft zu werden. In einer Umfrage in den USA assoziierten 37 Prozent der Befragten die katholische Kirche mit sexuellem Missbrauch. Und gerade die katholische Kirche in Deutschland hat durch die Missbrauchsfälle erheblich an Vertrauen eingebüßt. Das hat viele negative Auswirkungen, vor allem auch auf das Image der Priester und den Priesternachwuchs. Nach einer neueren bundesweiten Umfrage haben 87 Prozent kein Vertrauen mehr in die katholische Kirche. Es darf aber heute und an diesem Karfreitag 2010 nicht darum gehen, dass da manches Umfrageergebnis kampagnenartig weiter getrieben wurde, dass es auch an nichtkatholischen Einrichtungen solche Fälle gegeben hat und dass über 90 Prozent des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Familie und der Verwandtschaft stattfinden, dass jährlich 14.000 solcher Fälle in Deutschland angezeigt werden und dass mit Blick auf die Kriminalstatistik der vergangenen 15 Jahre nur ein Promille der Tatverdächtigen bei Kindesmissbrauch katholische Geistliche gewesen sind.
Heute geht es darum, dass schon ein Geistlicher, der so das Vertrauen der ihm Anvertrauten missbraucht, ein kaum wieder gut zu machendes Verbrechen an den Kindern und auch an dieser Kirche begeht.
Papst Benedikt hat in seinem Wort an die Katholiken Irlands, wo es prozentual besonders viele Missbrauchsfälle durch Kleriker gab, liest, sich gerade an die Opfer gewendet, der Papst schreibt: „Ihr habt viel gelitten, und ich bedaure das aufrecht. Ich weiß, dass nichts das Erlittene ungeschehen machen kann. Euer Vertrauen wurde verraten und eure Würde wurde verletzt. Viele von Euch müssen erfahren, dass als ihr den Mut gefunden habt, über das zu sprechen, was Euch zugestoßen ist, Euch niemand zugehört hat. Diejenigen von Euch, denen das in Wohnheimen und Internaten geschehen ist, müssen gefühlt haben, dass es kein Entkommen gibt aus Eurem Leid. Es ist verständlich, dass es schwer für Euch ist, der Kirche zu vergeben oder sich mit Ihr zu versöhnen. Im Namen der Kirche drücke ich offen die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen. Gleichzeitig bitte ich Euch, die Hoffnung nicht aufzugeben.“
Viele jahr sind nun in Deutschland solche Fälle verschwiegen oder durch verantwortliche bagatellisiert worden, um Schaden für die Kirche zu vermeiden und fern zu halten. So ein Verschweigen und Verdrängen in der Vergangenheit ist durch nichts zu entschuldigen. Mit Blick auf den heutigen Karfreitag müssen wir ja sagen, dass Christus für jeden Menschen gelitten hat und gestorben ist und nicht für eine Institution oder irgendein institutionelles Gebilde. Es geht nicht um Staats- oder Kirchenraison es geht um jeden Einzelnen leidenden Menschen, jedenfalls sollte das so sein. Inzwischen hat unsere Kirche hier in Deutschland, weiter „die Flucht" nach vorn angetreten.
Ein von der Bischofskonferenz eingerichtetes Sorgentelephon gibt die Möglichkeit, dass Missbrauchsopfer sich melden können und ihre Not gehört wird. Es muss in dieser und unserer Kirche nachgedacht werden, nachgedacht, was für Kriterien bei der Aufnahme im Priesterseminar gelten sollen, wo zukünftig lieber kein Auge mehr zugedrückt werden kann, welche Kriterien für Weltpriester oder Ordenspriester zukünftig gelten sollten. Wenn auch Fachleute außerhalb der Kirche wie der Professor für forensische Psychatrie an der Berliner Charite, Hans Ludwig Kröber, bescheinigen, dass nichtzölibatär lebende Männer 36 Mal wahrscheinlicher zu Tätern werden als zölibatär lebende Priester, so rütteln diese Missbrauchsfälle durch im Zölibat lebende katholische Geistliche auch grundlegend am Pflichtzölibat für katholische Weltpriester, das nur im lateinischen Teil der katholischen Kirche gilt – nicht für die unierten Kirchen, wie die katholische Kirche in der Ukraine. So scheint das durch die Missbrauchsfälle ausgelöste kirchliche „Erdbeben“ auch in diese Richtung ein Nachdenken und Umdenken gerade bei Bischöfen auszulösen.
Der Hamburger Weihbischof Joachim Jaschke sagte: „Man sollte darüber nachdenken, ob es in der katholischen Kirche durch verheiratete Priester nicht eine größere Vielfalt geben könnte“.
Und der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser gab zu bedenken "ob der Zölibat eine angemessene Lebensform für den priesterlichen Dienst" sei. Das Nachdenken über unsere Kirche hat umfassender begonnen, wie das vor den Missbrauchsskandalen noch der Fall war. Sündenbekenntnis, Umkehr, Neubesinnung und Vertrauensgewinn stehen umfassend auf der Tagesordnung. Neuerungen und Erneuerungen sind dringend erforderlich.
Eine Nachdenklichkeit und Offenheit wächst, hoffentlich auch weiter bei allen, die in unserer Kirche mit Hirtenaufgaben betraut sind, bei den Bischöfen und in Rom.

(Pfarrer Thomas Bohne am Karfreitag in der Liebfrauenkirche, gekürzt)

BÜTTENPREDIGT 2011
Zu Mt 7,21-27, 9. Sonntag i. Jahreskreis

Schön, dass ihr euch habt aufgemacht
und bis zur Kirche es gebracht.
Ihr könnt nun eure Hände falten,
ich werd’ die Faschingspredigt halten.
Ihr wisst, dass wir beim Faschingstreiben
stets klar bei unsrer Ordnung bleiben.
Und wenn mancher sich da ziert,
hier wird das Bibelwort traktiert,
die Predigt wird nicht ausgelassen –
nur möchte ich sie in Reime fassen,
denn solches ist nach unserer Sicht
am heut’gen Tage einfach Pflicht.
Doch Pflicht mal hin und Pflicht mal her
Das Reimen fällt mir ziemlich schwer.
Predigt in Reimen!, hör ich manch Klage.
Der Trost: die Predigt wird kürzer als andre Tage!
Der Vorrede genug, wir schauen, was war gewesen?
Was wurde heut denn vorgelesen ? 
Und nun wissen auch die Braven,
die beim Evangelium  nicht geschlafen.
Ich bin mir sicher, recht vielen fällt es ein!
Wie ein Fels glauben, so solln wir sein.
Wir hörten glücklich sei ein Mann,
der sein Haus auf Felsen bauen kann.
Doch scheint mir das nicht das Problem.
Als Pfarrer muss ich’s anders sehn.
So sag ich: Glücklich ist der Mann,
welcher sein Haus erhalten kann.
Dann bleibt es nicht nur beim Erhalten.
Ich muß die Kirche  auch verwalten.
Stempel hier und Stempel dort.
Und sprech'  dabei kein einzig Wort.
Ein rechter Sinn ist nicht zu finden,
was soll ich da denn auch verkünden.
Als Pfarrer nervt das Stempeln schon,
doch sprich, du hast das Telephon.
Dann klingelts, ich höre zu, ganz motiviert.
Herr Pfarrer, die Toilette war nicht poliert.
Dann ruft ein zweiter, fragt, ob ich sagen kann,
wo am Sonntag die Gottesdienste fangen an.
Ich sag es gibt viele Pläne, die kann man lesen,
Herr Pfarrer es ist gut, dass sie dran gewesen,
Und so sitz ich am Schreibtisch, das Haar ergraut,
Und denke, nicht auf Fels, auf  Sand wird gebaut.
 Und denke dann und denke dann her,
nicht stempeln, nicht reden, ein Computer muß her.
Und höre, das sei die Zukunft auf Erden.
Mit vier Computertasten kann man Doktor schon werden.
Mit zwei Tasten man einen Text markiert,
und mit der nächsten ihn kopiert.
Nur eine Überschrift selbst, die muß schon sein.
Und fügt das Kopierte ganz schnell drunter rein.
Mit solchen Erfahrungen fragt mancher hier,
Die Predigt war schön, aber war sie von DIR?
Dann sage ich frei , ich wag den Spagat,
Was ich Euch sage, ist kein Plagiat.
Ich sage es frei und ich betone,
Das was ich Euch sage, das ist von mir, dem Pfarrer Bohne.
Und Gutenberg hin und Guttenberg her,
das Texte schreiben ist immer noch schwer.
Ob in der Zeitung, ob von der Kanzel, ob im Gemeindebrief,
Beim Texte schreiben geht immer was schief.
Mal fehlt das Komma, mal fehlt eine Zahl,
Ein Anruf deshalb lohnt sich allemal.
Dann wird gelesen der ganze Brief,
noch mal korrigiert, schon geht wieder was schief.
Denn wieder ein Anruf, jetzt einer meint,
wann denn der Brief mal endlich erscheint.
Dann sich am Schreibtisch das Haar weiter graut,
Ich hab nicht auf  Felsen, auf Sand wird gebaut.
Die Zeit sie ist um, ich mache jetzt Schluss.
An der Tür hat`s geklingelt, ich aufmachen muß.
Herr Pfarrer, Herr Pfarrer, ach kommen sie bald,
der Pfarrsaal hier unten der ist bitter kalt.
Dann lauf ich schnell runter, die Heizung auf drei.
Der Predigtgedanke, der ging nun vorbei.
Und sage ich Euch, ihr liebe Gemeinde,
Die Predigt ist wahr, auch wenn sie schön reimte.
Helft mir doch alle, auch wenn das Haar ergraut,
Helft mir dass ich nicht nur auf Sand hab gebaut.
Und in diesem Sinne in diesem Rahmen.
Dann sag ich ganz herzlich euch allen das: AMEN

Fastenpredigten 2011


In diesem Jahr der Fastenpredigten zum Thema  "Glaubenszeugen in neuerer Zeit" sollen Glaubenszeugen des 20. und 21. Jahrhunderts vorgestellt werden.

2. Fastensonntag: Alois Andritzki

3. Fastensonntag: Die Mönche von Tibhirine

4. Fastensonntag: Franz Jägerstätter


Zunächst geht es dabei um Alois Andritzki, dessen Seeligsprechung am Pfingstmontag in unserem Bistum stattfinden wird.

 


Alois Andritzki


2. FASTENSONNTAG , 20.03. 2011
EVANGELIUM ( Mt 17, 1-9)

17:1 Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder
Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg.
17:2    Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.
17:3    Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus.
17:4    Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, daß wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
17:5    Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.
17:6    Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden.
17:7    Da trat Jesus zu ihnen, faßte sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst!
17:8    Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.
  Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.


Wer war dieser Alois Andritzki
Er wurde am 2. Juli 1914 im sorbischen Radibor geboren.
Am 30. Juli 1939 wurde er in Bautzen zum Priester geweiht.
Als Kaplan war zunächst zuständig in der Dresdner Hofkirche und für das Kapellknabeninstitut.
Bei einem Weihnachtsspiel im Jahr 1940 hat er sich offensichtlich den Ärger der Verantwortlichen zugezogen. Leider gibt es den Text dieses Weihnachtsspieles nicht mehr, es wäre interessant zu erfahren, was die Machthaber damals an diesem Text so gestört hat.
 Die Gestapo verhörte ihn danach im Januar 1941, dann kam er ins Gefängnis und letztlich noch im selben Jahr ins KZ Dachau.
Für Alois Andritzki begann jetzt ein schwerer Leidensweg. Doch trotzdem schien er von einem tiefen Glaubens Erlebnis erfüllt gewesen zu sein. Die Zeugnisse aus dem Gefängnis und aus dem KZ sagen, dass er vielen wie ein leuchtendes Beispiel aus einer anderen Welt erschien. Man erzählte, dass er im Lager  Turnübungen vorführte,  Menschen zur Seite stand und ihnen Weggefährte war. Das scheint auch ein wichtiger  Grund für seine Seligsprechung zu sein, dass er selbst in der größten Not für andere da war und an andere dachte.
Im heutigen Evangelium hieß es, die Jünger sahen Jesus in einem besonderen Licht: „Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht" (Mt 17,2)
Danach mussten die Jünger wieder hinabsteigen in das Tal, in die alltägliche Dunkelheit. Doch die lichtreiche Vision von diesen Jesus, wie er mit den Propheten und mit ihnen redete, die werden sie nicht vergessen haben. Sie werden auch aus diesem Taborerlebnis   Kraft für manche Niederung und manches dunkles Erlebnis geschöpft haben.
Solche Sicht, solche Visionen, die über Dunkles hinwegleuchten und manch Dunkelheit ertragen lassen,  könnten wir heute auch gebrauchen. 
Angesichts der drohenden Atomwolken, die viele in unserem Land aus Japan kommen sehen, angesichts neuer Kriegswolken und Verdunklungen durch Gewalt, die wir derzeit über Lybien erleben und mancher Verdunklung in unserem Land. Mit Sorgen schauen wir an diesem Tag auf Sachsen-Anhalt, wie viele da wohl zur Wahl gehen werden, wie viele immer noch kein Vertrauen mehr in Politik und politische Entscheidungen haben, bei der letzten Wahl gab es die niedrigste Wahlbeteiligung dort.
Vielleicht ist auch ein Problem unserer Zeit, dass viele Menschen keinen Sinn mehr in ihrem Leben finden, vielen unter unsVisaionen und Ziele fehlen, wie sie Alois Antritzki gehabt hat.
Er selbst lebte aus einer Vision vom Reich Gottes und aus dem Glauben an diesen menschgewordenen Gott unter uns.
Diese Vision war so stark, dass er tiefste menschliche Dunkelheit ertrug. Er starb durch eine Giftspritze am 3. Februar 1943, die man ihm gab nachdem er nach einem Priester auf dem Sterbebeet verlangt hatte.
Er starb an einem Ort, der zu den dunkelsten Orten menschlichen Lebens gehörte, in einem faschistischen Konzentrationslager. Doch gerade dort wurde er vielen zum Leuchtpunkt und Vorbild.

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Am 3. Fastensonntag  ging es in der Reihe unserer Fastenpredigten um weitere „Glaubenszeugen in neuerer Zeit". Wir schauen diesmal auf die  neun Trapistenmönche von Tibhirine.

Die Mönche von Tibhirine


3. Fastensonntag (27.03.),
EVANGELIUM. MT 16, 24-25

16:24  Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
16:25   Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
 
In Algerien, deren Schicksal jüngst durch den preisgekrönten Film „Von Menschen und Göttern“ einem Millionenpublikum weltweit buchstäblich vor Augen geführt wurde.
Mancher fragte nach dem Anschauen des Films, was denn wahr sei an der Geschichte. Wie in dem Film offen bleibt, wer die Mönche umgebracht hat, ob nun islamische Extremisten oder das algerische Militär, ist bisher ungeklärt, wer an dem Tod der Mönche Schuld trägt. Wir wissen allerdings , dass in der Nacht vom 26. zum 27. März 1996, inmitten des algerischen Bürgerkrieges, sich eine Gruppe Bewaffneter gewaltsam Eintritt in das Klostervon Tibirhine verschaffte   und entführte sieben der Mönche (alle französischer Nationalität), darunter den Prior Christian de Chergé. Zwei Mönche konnten sich verstecken. Kurze Zeit später bekannte sich die Groupe Islamique Armé (GIA), eine terroristische Splittergruppe, zur Tat und forderte die Freilassung eines ihrer Anführer, im Gegenzug für die Freilassung der Mönche. Das letzte Lebenszeichen der Mönche ist eine Tonbandaufnahme vom 20. April mit ihren Stimmen in Gefangenschaft; das Band wurde am 30. April an die französische Botschaft in Algier gesandt. Die Mönche wurden enthauptet und ihre Köpfe wurden am 30. Mai in der Nähe von Médéa aufgefunden. Die Körper der Mönche wurden nicht gefunden.
Das sind die bisher gesicherten historischen Fakten über das Ende von sieben Mönchen. Ein weiterer Fakt über die Einstellung der Mönche, ihre geistliche Haltung ist der
A
BSCHIEDSBRIEF von Pater CHRISTIAN, dem Prior in TIBHIRINE. Er zeugt von einem tiefen Vertrauen in Gott und seinen Weg und einem tiefen Vertrauen , dass Gott auch in verschiedenen Religionen zu finden ist und viele Wege zu ihm offen hält. Ich zitiere teilweise aus diesem Brief des Priors Pater Christian:
„Wenn ich eines Tages - und das könnte schon heute sein
- Opfer des Terrorismus werde, der, wie es scheint, sich auch
gegen alle hier lebenden Ausländer richten will, möchte ich,
dass meine Gemeinde, meine Kirche, meine Familie sich
immer vor Augen halten, dass ich mein Leben gegeben habe,
Gott und diesem Land hingegeben war.
Sie mögen erkennen, dass dieser brutale Abschied dem
Alleinigen Herrn über alles Leben nicht fremd wäre.
Ich kann mir einen solchen Tod nicht wünschen. Ich sehe
allerdings auch nicht, wie ich mich darüber freuen könnte,
dass dieses Volk, das ich liebe, undifferenziert des Mordes
an mir beschuldigt wird.
Ich weiß von der Verachtung, mit der man dieses Volk
pauschal behandelt. Ich weiß auch von den Karikaturen des
Islam, zu denen ein bestimmter Islamismus verleitet.
Dieses Land und der Islam stellen für mich etwas Anderes
dar; sie sind der Leib und die Seele.
Mein Tod wird natürlich denen scheinbar Recht geben, die
mich von vorn herein als naiv und idealistisch abgetan haben,
aber sie sollen wissen, dass ich endlich von meiner quälendsten Neugierde befreit sein werde.
Und dass ich, wenn Gott es will, tief in die Augen des Vaters
blicken werde, um mit Ihm gemeinsam seine Kinder des Islam
so zu betrachten, wie Er sie sieht...
Amen. Inch’Allah.”
„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen."
Das ist der Text aus dem Evangelium , das in diesem Gottesdienst gelesen wurde.
Es ist wie ein Programm für diese Mönche, die bewusst sich für den Leidens- und Kreuzweg Christi entschieden haben.
Sie wussten aufgrund vieler Vorgänge während dieses Bürgerkrieges, was sie erwartet.
Bewusst haben sie sich für diesen Kreuzweg entschieden.
Und wie Jesus am Ende seines Kreuzweges dem Schächer am Kreuz und allen Peinigern vergeben hat, so auch der Prior in seinem Abschiedsbrief.
Ein letztes Zeugnis haben diese Mönche noch gegeben:
Ein Zeichen dafür, dass der Gott des Christentums und der Gott des Islam der eine Gott ist und alle seine geliebten Kinder sind.

Das Kloster in Tibhirine ist jetzt verwaist, da die politische Lage angespannt bleibt. Die Gebäude des ehemaligen Klosters werden aber von der Bevölkerung und Angestellten des Erzbistums Algier notdürftig unterhalten
Für die islamische Bevölkerung in Tibhirine war und ist das Kloster wie ein Baum, der fest steht, von dem sie Kraft und Stabilität erhielten und weiter erwarten.
Aus dem Glauben heraus haben die Mönche von Tibhirine Zeugnis für einen leidenden und mitleidenden Gott für alle Menschen gegeben.


Hymnus
der oft von den Mönchen gesungen wurde:


Wir kennen Dein Geheimnis nicht.
Unendliche Liebe
Aber Du hast ein Gefolge,
Du, der Du den verlorenen Sohn suchst
Und an Dich drückst
Dieses schwierige Kind
Welches die Welt der Menschen ist.
Wir sehen Dein Antlitz nicht
Unendliche Liebe
Aber Du hast Augen
Weil Du im Stillen weinst
Und Du schenkst uns
Diesen Blick des Lichtes
Der (uns) Deine Vergebung enthüllt.

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Am 3. Fastensonntag  ging es in der Reihe unserer Fastenpredigten um weitere „Glaubenszeugen in neuerer Zeit". Wir schauen diesmal auf Franz Jägerstätter.

Fastenpredigt: 4. Fastensonntag 2011

Franz Jägerstätter

Lesung: Apg 5,27-33
Evangelium: Lk 22, 39-43

Liebe Schwestern und Brüder,

im Rahmen unserer Fastenpredigtreihe „Glaubenszeugen in bedrängter Zeit“ wollen wir heute das Leben und Wirken des Franz Jägerstätter gemeinsam betrachten.
Vielleicht ist vielen von Ihnen diese Glaubensgestalt unbekannt, doch wurde Franz Jägerstätter im Oktober 2007 in Linz seliggesprochen. Sein Einsatz und seine Gewissensentscheidung können uns auch heute noch ein Vorbild sein.
Am 9. August 1943 starb Franz Jägerstätter, ein einfacher Bauer aus St. Radegund an der Salzach in Oberösterreich. Er wurde an diesem Tag im Berliner Zuchthaus Brandenburg-Görden wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ enthauptet.
Der damalige Pfarrer von St. Radegund war ebenso ein überzeugter Kriegsgegner und schrieb in die Pfarrchronik: „Wenn es in diesem gemeinen Krieg einen Helden gegeben hat, dann war es Jägerstätter Franz. Er war ganz sicher ein Heiliger von Format.“
Ganz anders dachte der damalige Bischof der Diözese Linz, indem er immer wieder äußerte, dass ein einfacher Mann wie Jägerstätter sich nicht erdreisten sollte, zu prüfen, ob es dem Willen Gottes wirklich entspreche, was die Obrigkeit von ihm fordere.
Wer war nun Franz Jägerstätter?
Er kam als uneheliches Kind am 20. Mai 1907 zur Welt. Den Namen Jägerstätter erhielt er, als seine Mutter Heinrich Jägerstätter heiratete. Franz lebte als Kind in ärmlichen Verhältnissen. Später ging ihm aber trotzdem der Ruf eines „kreuzfidelen Kerls“ nach, der das Kartenspiel liebte, leidenschaftlich gerne tanzte und bei den Mädchen gut ankam. Im Dorf war er, dank seiner schnellen Fäuste, ein Anführer der Jugendlichen.
1927 verließ er seine Heimat, um sich selbst seinen Unterhalt zu verdienen und fernab der heimatlichen, konservativen Enge, ein Lebensmodell zu erarbeiten. Aber nach drei Jahren kehrte er wieder nach St. Radegund zurück und heiratete 1936 die fromme Bauerntochter Franziska Schwaninger. Als Hochzeitsreise unternahm das junge Paar eine Pilgerfahrt nach Rom. Das hatte es bis dahin im Dorf noch nie gegeben, und diese Reise kann auch als eine Art Neuortietierung in Franz´ Leben betrachtet werden.
Am 11. März 1938 überschritten Truppen Adolf Hitlers die österreichische Grenze. Am 10. April des gleichen Jahres, bei der Volksanbstimmung über den Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland, stimmte Jägerstätter in seiner Heimatgemeinde mit einem klaren „Nein!“ Er war der einzige Dorfbewohner, der dies wagte.
Als in allen Orten Österreichs Propaganda für den Führer betrieben wurde hatte Jägerstätter einen Traum: „Ich sehe einen schönen Eisenbahnzug, in dem viele junge Menschen mitfahren. Sie sind in ausgelassener Stimmung. Der Zug fährt um einen Berg herum. Eine Stimme erschreckt mich, sie sagt: Dieser Zug fährt in die Hölle! Jetzt nimmt mich einer bei der Hand und zeigt mir die Schrecken."
Jägerstätter deutet diesen Traum in aller Klarheit. Er wusste, dass Gott ihn vor die Entscheidung habe stellen wollen, entweder den Weg des Grauens zu beschreiten oder die Richtung des entschiedenen Glaubens einzuschlagen. Franz entschied sich für das Reich Gottes, nicht für ein irdisches Reich. Für ihn musste das Christsein zu politischen Konsequenzen führen. Er erkannte, dass sich der Führerkult wie eine Religion gebärdete, der er sich niemals anschließen konnte. Zwar lehrt das biblische Zeugnis, auch der weltlichen Obrigkeit Gehorsam zu leisten (Röm 13), aber mit der Einschränkung: nur soweit die Obrigkeit nichts schlechtes befiehlt. Das wußte auch Jägerstätter.
Schließlich kam eine entscheidende Stunde für sein gläubiges Gewissen: die Wehrdienstverweigerung. Sämtliche Menschen, die für Jägerstätter wichtig waren, rieten ihm ab, den Wehrdienst zu verweigern. Der Kaplan der Gemeinde warf ihm sogar vor, es grenze an Selbstmord, was er vorhabe. Der Pfarrer schlug ihm vor, einen Weg der intelligenten List gegen die Nazis einzuschlagen. Und letztlich auch der Linzer Bischof wollte Jägerstätter vom Weg abbringen, nicht zuletzt auch aus der Befürchtung, selber in Haft zu geraten.
Schließlich wurde Jägerstätter wegen Zersetzung der Wehrkraft angeklagt, zum Tode verurteilt und nach Brandenburg gebracht. Den Häftligen waren Tag und Nacht die Hände gefesselt, dass sie nicht selbst versuchten, ihrem Leben ein Ende zu setzen.
Jägerstätter durfte wenige Briefe aus dem Gefängnis schreiben, darunter folgende Zeilen: „Werde hier nur wenige Worte niederschreiben, wie sie mir gerade aus dem Herzen kommen. Wenn ich sie auch mit gefesselten Händen schreibe, aber immer noch besser, als wenn der Wille gefesselt wäre."
Das Kron-Argument für seine Konsequente Haltung fand Jägerstätter in der Apostelgeschichte; dort las er: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29).
Diese Aussage liess er sich von niemandem verwässern oder abschwächen. Er wollte diese neutestamentliche Einsicht schlicht und einfach leben und nahm dafür alle Konsequenzen in Kauf.
Bald nach seiner Hinrichtung wurde seine Frau bezichtigt, den Tod Jägerstätters verschuldet zu haben, denn sie hätte es versäumt, ihn umzustimmen. Tatsache ist aber, dass Franziska Jägerstätter bis nach Berlin reiste, um ihren Ehemann zu bewegen, von seiner Entscheidung abzuweichen.nd schließlich verhinderte der Bischof von Linz nach dem Krieg entschlossen einen Beitrag in der Linzer Kirchenzeitung, der von Jägerstätter als beispielgebenden Märtyrer berichten sollte.
1964 wurde ein Buch mit dem Titel „Über das Leben und den Tod von Franz Jägerstätter“ von Gordon Zahn veröffentlicht. Dieses Buch trug maßgeblich dazu bei, die christliche Friedensbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg zu inspirieren. Der Autor dieses Buches schreibt: „Das vielleicht eindrucksvollste Beispiel, wie eine solche Inspiration wirkte, ist ein Ereignis, das wirklich die US-amerikanische Geschichte veränderte. Daniel Ellsberg bekam nach Jahren gehobenem Militärdienstes ein Exemplar meines Buches. Er war von der Franz-Geschichte so inspiriert, dass er einen Gefängnisaufenthalt riskierte, idem er äusserst geheime Dokumente des Pentagon veröffentlichte. Indem er das tat, beschleunigte er das Ende des Vietnamkrieges."
Ein wirklich eindrucksvolles Zeugnis, wie eine Gewissensentscheidung noch nach vielen Jahren eine Tragweite behält und andere ermutigt, ebenso auf die innere Stimme zu hören. Wann folgen wir unserem Gewissen? Erheben wir unsere Stimme, wenn Regeln, Gesetze, Entscheidungen in Politik, Gesellschaft oder auch der Kirche, unserem Gewissen zuwider laufen? Oder bleiben wir passive Menschen, die sich höchstens im stillen Kämmerlein über wesentliche Dinge äußern? Auch wenn wir inhaltlich nicht immer mit den lautstarken Protesten übereinstimmen, Menschen dieser Tage gehen auf die Straße, verschaffen sich Gehör, wenn sie andere Meinung sind als Regierungen und Machthaber. An welcher Stelle ist es sinnvoll, auch unsere christliche Stimme zu erheben und uns durch unser gläubiges Gewissen mit in die Debatten einzuschalten? Tagtäglich werden wir vor Entscheidungen gestellt, und sicherlich kann uns das Leben und die Geradlinigkeit des Franz Jägerstätter bei den Anforderungen unseres Lebens ein Beispiel sein.

Kaplan Michael Jäger

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Die Büttenpredigt 2012

Schön, dass ihr euch habt aufgemacht
und bis zur Kirche es gebracht.
Ihr könnt nun eure Hände falten,
ich werd’ die Faschingspredigt halten.
Ihr wisst, dass wir beim Faschingstreiben
stets klar bei unsrer Ordnung bleiben.
die Predigt wird nicht ausgelassen –
nur dass wir sie in Reime fassen,
denn solches ist nach unserer Sicht
am heut’gen Tage einfach Pflicht.
Doch Pflicht mal hin und Pflicht mal her
Das Reimen fällt mir ziemlich schwer.
Predigt in Reimen!, hör ich manch Klage
Der Trost: die Predigt wird kürzer als andre Tage!
Der Vorrede genug, wir schauen hin, was war gewesen
Was wurde heute denn vorgelesen? 
Der Bibeltext heute, wir schau'n ihn uns an
Und schauen hin auf den gelähmten Mann:
Er weiß nicht mehr wie's weitergeht
So ähnlich wie's jetzt mit dem Präsidentenamt steht.
Zurück zum Text nun, hört nur hört,
da wird das Dach ganz schön zerstört.
Und wieder stutz' ich, da fällt mir ein:
Bei uns in Europa regnet's auch mächtig rein:
Zwar  boomt unsere Wirtschaft, auch die Aktien steigen,
doch schleppt sich das Tempo beim fröhlichen Reigen.
Ja, ja, die Griechen, die kriechen und krauchen,
viel Geld, viel Geld, das könnten die brauchen.
Was gehen sie, die Griechen mich an,
sagt auf der Straße der kleine Mann,
er sagt:„Einen Urlaub dort, ich mir überhaupt nicht leisten kann."
Doch es geht nicht um Urlaub und Feriensonne,
Es geht um Europa, um die ganz große Wonne.
Es geht nun wirklich um das eine Boot,
und wenn's irgendwo leckt, ist überall Not.
Wir können es nicht, das wäre zwar schön,
einfach in dem Boot unsere eigenen Wege gehn.
Und da sind wir wieder beim Thema, beim Bibeltext heute,
bewegungslos, starr, als Menschen von heute.
Und Lähmung greift um sich: Stück für Stück,
ob nun im Kleinen oder in der ganz,ganz großen Politik.
Ich meine jetzt nicht den Präsidenten ob alt oder den in Spe,
das ist keine Heilung wenn jemand sagt, nimm deinen Hut und geh.
Übrigens: Bei diesem Beispiel nun, kann keiner sagen,
dass sie unwichtig seien - die Sünden aus vergangenen Tagen.
Doch sicher soll hier wirklich überhaupt keiner sein,
ihr wisst: nur wer  ohne Sünde, soll werfen den Stein.
Doch dieser Spruch scheint nicht bekannt im deutschen Land,
so manch sündhafter Steinwerfer sich überall fand.
Von der kleinsten Zeitung bis zur großen Gazette,
Im Werfen und Vor-Werfen liefen sie alle ganz schön um die Wette.
Nun ist der Wulf fort, erreicht ist das Ziel
Hat das was geholfen, ich denke nicht viel,
Viele, viele  Steine liegen nun da,
Und den oder die Neue bisher noch keiner kommen sah.
Und mancher, der gefragt, für den Posten ganz oben,
sagt: wie schnell könnt ich doch fallen von ganz da oben.
Und so blickt man wieder ziemlich beschämt,
die ganze Sache scheint wieder wie gelähmt,

Wie schön war es da mit dem Mann, der an die Bare gebunden.
Er kam voran, aber von oben nach unten.
Und was ist die Moral von dieser Geschicht`,
nicht ganz oben, ganz unten, da brennt das Licht,
Und jeder sieht es ganz schnell ein,
die Letzten, die werden letztlich die Ersten sein.
Ja, ja noch weiter wird klar, auch jedem Kinde,
es geht heute im Text ganz schön um die Sünde.

Jesus spricht: Deine Sünde, die ist dir  vergeben,
erst dann kannst kommst du weiter, kannst dich gut bewegen.

Und mancher denkt in unseren Breiten,
wer sich bewegt und joggt, kann die Sünde vermeiden.
Und wenn wir hier fromm im Kirchenraum sitzen,
so mancher da draußen tut keuschen und schwitzen.
Das ist, ich deutete an, in zartem Ton.
Die moderne, bewegungsfrohe Naturreligion.
Und sie  verkündet es laut in weiter  Runde:
Die Sünde ist weg, wenn du verlierst Deine Pfunde.
Und mancher der am Sonntagmorgen nicht hier in der Kirchenbank sitzt,
dafür  lieber keucht und joggt und schwitzt.
Der sagt, lass sie doch beten und an Gott und andere denken.
Ich denk lieber an mich,  mein Leben, nur das will ich  lenken.
Doch übersieht, der so redet, die wirkliche Not.
Du rennst und rennst, und doch kommt der Tod.
Und dann, sag ich,  hast du gezogen das  große Los,
für immer gelähmt und bewegungslos.
Drum fragt sich da draußen auch manch Frau und Mann,
ob ich nicht nur für mich, auch für andere etwas machen kann?
Und ich bin ein Narr, das gebe ich zu,
mit meinem Lästern gebe ich keine Ruh.
Ein Narr sagt: Überall auf Erden
könnte es wirklich anders werden.
Und närrisch ist es auch gewesen,
was wir von Jesus da vorgelesen.
Voll Mitleid schaut er auf den gelähmten Mann,
Und hift ihm, stiftet zum Laufen ihn an.
Vielleicht fehlt uns ein Narrensinn,
der meint, ohne Lähmung, ist doch noch was drin.
Vielleicht fehlt uns der Übermut,
der einfach nur das Gute  auch für andere  tut,
der glaubt, dass wir es doch noch schaffen,
in dieser  Welt uns  füreinander mal  aufzuraffen.
Nicht an mich nur denken, in diesem Rahmen !

Dann sag ich ganz herzlich euch allen ein: Amen

Predigt / Kirchweih 2012
von Pfarrer Michael Jäger

In einer katholischen Jugendzeitschrift konnte man vor einiger Zeit lesen:

„Unsere Kirche ist ein Schlafwagen. Platzkarten gibt es bei der Taufe. Kurze Kontrolle: Erstkommunion und Firmung. Dann ist Ruhe, man kann sichs gemütlich machen. Hauptsache, der da vorn in der Lok wacht, der macht es schon, da braucht man sich nicht drum zu kümmern. Gleichmäßig hört man es rumpeln bei der Fahrt, das ist der Fortschritt. Die Schaffner versehen diskret ihren Dienst, hauptamtlich, mit Taschenlampen; dafür werden sie ja bezahlt. Erfrischungen werden angeboten von ehrenamtlichen Helfern: Nein danke – nicht nötig.

Spät in der Nacht geht kurz das Licht an im Abteil. Ein Konvertit oder so was sucht einen Platz; geht’s nicht auch leiser? Irgendwann hält der Zug auf einer Station. Verschlafen fragt einer, wo wir gerade sind. Ach, schon im 21. Jahrhundert?“


Der unbekannte Verfasser dieser Zeilen könnte vielleicht auch unsere Gemeinde und unser Kirchweihfest im Blick gehabt haben.

Allerdings will er dann die Insassen des „Schlafwagens“ aufrütteln. In der Tat fahren heute viele im Schlafwagen, die Platzkarte – sprich der Taufschein – haben sie sich noch ausstellen lassen. Die kurze Kontrolle bei Erstkommunion und Firmung haben sie auch überstanden; die feierliche Trauung in der Kiche gehört zum Service – und jetzt geniessen sie die Ruhe. „Der da vorne auf der Lok wacht ja“- Hauptsache, er stört nicht. Auch die Hauptamtlichen sollen nicht das Licht einschalten, das blendet ja und bringt Unruhe; Taschenlampen genügen, dafür werden sie bezahlt. Falls man einmal von Ehrenamtlichen angesprochen wird heisst es :“Nein danke, nicht nötig.“ Und wenn dann einer wirklich ernst macht, ein Konvertit oder jemand, der von Jesus und seiner Botschaft ergriffen ist, dann wird er gleuch zurückgepfiffen:“Gehts nicht auch leiser?“ Ab und zu fragt dann auch einer, wo wir gerade sind. „Ach, schon im 21. Jahrhundert?!“

Bilder und Vergleiche hinken manchmal, und ob dieses Bild realistisch ist, darüber können Sie auch geteilter Meinung sein. Aber festhalten können wir, dass für viele Christen, die getauft sind und nominell zur Kirche gehören, das Verhältnis zur Kirche eher gestört ist. Die Kirche sind „die da oben“ - gemeint sind die Amtsträger in Rom, die Bistumsleitung; Leute, die weit weg sind, räumlich und auch geistig. Der Abstand zur Kirche, zur Gemeinde vor Ort, wird immer größer – und wir können beruhigt im Schlafwagen weiterfahren. Ja, und manche steigen dann auch ganz aus, weil die Fahrt zu unruhig wird oder das Ziel unklar erscheint.


Miteinander Kirche sein setzt aber einen anderen Akzent. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sieht sich die Kiche als Volk Gottes. Jesus Christus ist es, der uns alle verbindet. So sind wir des Herrn Gemeinde, wie es in einem Kirchenlied heisst. Wir sollen zusammenwachsen zu einer Gemeinschaft, um miteinander Kirche zu sein. Sie gehören alle dazu, die Reichen und die Armen, wir alle sind Glieder am Leib Jesu. Wo dieses Volk Gottes, wo diese Gemeinde sich versammelt, dort ist Gott anwesend. So will er der Welt sein Heil schenken. Mit seinem Volk, mit seiner Kirche fängt Gott an.

Und wer ist dieses Volk? Wir selber – jeder und jede von uns gehört dazu, hat gleichsam Sitz und Stimme. Jeder ist in der Taufe eingegliedert, jeder ist seit seiner Firmung „mündig“. Und Kirche lebt nur, wenn alle mitmachen. So trägt auch jeder Verantwortung und jeder hat das selbe Recht, seine Ideen und seinen Beitrag einzubringen. Zuerst wird das dort geschehen, wo Kirche vor Ort lebt: in unserer eigenen Gemeinde, in Liebfrauen mit den vielen Teilgemeinden. Hoer kann Einsamkeit überwunden werden, wenn Menschen aufeinander zugehen. Hier können wir erfahren, dass wir nicht auf Kosten anderer leben, sondern für andere da sind. Denn wir erleben Menschen, die nicht fragen:“Was bekomme ich dafür?“, sondern einfach da sind und ihren Dienst, ihre Zeit, ihr Engagement anbieten. Da wird der Friedensgruß nicht nur beim Gottesdienst weiter gegeben, sondern im Alltag spürbar.

So wird Miteinander in der Kirche deutlich, Volk Gottes erlebbar; nur so werden wir glaubwürdig für die Lauen, die Uninteressierten, für die im Schlafwagen. Ja, dann sind wir eine lebendige Kirche, eine lebendige Gemeinde, die auch den Menschen in unserer Umgebung etwas mitzugeben hat.


Jedoch wirkt heute die Kirche oft als Institution schwach. Manche fragen sich, wer oder was daran schuld sei.

Die einen meinen, die alten Männer der Kirche hätten unserer Zeit nichts zu sagen. Andererseits sagt auch die junge Generation nicht viel, beteiligen sich die Jungen nicht. Ob aber nun die Jungen nichts sagen oder die Alten nichts hören: die Frage der Schuld bringt nichts. Die Kommunikation zwischen den Generationen muss sich verbessern, weil sie einander viel zusagen haben. Sie müssen nicht einer Meinung sein, aber einander provozieren und einander weiterbringen auf dem Weg hin zu Gott. Genau dazu braucht es das Gespräch.

Das größte Leiden der Kirche im Wohlstand, im Westen, ist sicher, dass diese Kommunikation schwach geworden ist. Sicher, unser deutsches Kirchensteuerwesen hat ns unabhängig gemacht, es ist auch gerecht und ermöglicht uns als Gemeinde, als Bistum, als Kirche in Deutschland vieles, seien es Schulen, Personalstellen, eine breite Gemeindetätigkeit. Aber die Kehrseite ist, dass wir wohl in manchen Dingen schon zu lau geworden sind, dass wir sagen: Ich leiste ja schon meine Abgabe an die Kirche, sollen die dann mal was draus machen. Aber darüberhinaus brauchen wir auch das Engagement aller, die Ideen, Gedanken, die Glaubenskraft und Glaubenserfahrung des Volkes Gottes, denn wir alle sind in der Taufe zu Priestern, Königen und Propheten gesalbt. Wichtig ist der Dialog, meinetwegen auch der Streit, zwischen Jung nd Alt, zwischen Tradition und modernen Fragen. Wenn dieser Dialog wieder Dynamik bekäme, wäre ich glücklich. Dann könnten wir uns gegenseitig in der Liebe weiterbringen und wären auch liebenswürdig als Kirche, als Gemeinde. Wir würden spüren, dass wir in Gott so geborgen sind, dass wir uns in alle Themen, Aufgaben und auch in alle Konflikte hineinwagen können. Viele meinen, man solle doch in der Kirche nicht diskutieren, ja nicht streiten. Ich meine, der Disput, auch der Streit gehört dazu. Natürlich im Guten und um der Sache willen. Denn wir müssen ringen um den richtigen Weg, um den richtugen Platz der Kirche in der Welt von heute. Aber dies alles wohl wissend, dass wir in der Nachfolge Christi sind, dass wir alle in Gott geborgen sind und so die Einheit wahren müssen. Denn wenn wir dies nicht tun, ja wenn uns im Dialog die Liebe fehlt, dann haben wir uns wohl der Welt angeglichen.


Die Situation der Kirche in Europa, vor allem im Westen, verlangt heute Entscheidungen. Das ist für viele recht schwierig geworden in einer Zeit und Gesellschaft, wo einem alles offen steht, in der ich mic mal so, mal so enscheiden kann, ohne große Konsequenzen eingehen zu müssen.

Und es liegt an uns, dass wir uns als Christen, als Gemeinde immer wieder von neuem entscheiden. Auch heute morgen haben sie eine Entscheidung getroffen: Ja, ich möchte heute in die Kirche, zum Gottesdienst gehen. Möchte Gemeinschaft erfahren und zur Ruhe kommen. Das ist heute, zu diesem Festgottesdienst, eine schöne und bereichernde Erfahrung. Es gibt aber auch Gemeinden, die vordergründig nur wenig zu jubeln haben: Ihre Kirche wird geschlossen, es gibt keinen Seelosorger mehr vor Ort, die nächste Gottesdienstmöglichkeit liegt 40 km entfernt, es gibt keine Kinder und Jugendlichen mehr in der Gemeinde. Vor allem in größeren Städten finden am Sonntag Gottesdienste statt, in denen die Kinder und Jugendlichen kaum noch anwesend sind. Bei uns merken wir zwar in der letzten Zeit, dass doch der Gottesdienst lebendig ist, dass Kinder zum Gottesdienst, zum RU, in den Kinderchor, zu Vorjugend,zur Erstkommunion gehen. Aber dennoch müssen wir feststellen, dass die kommende Generation meist fehlt oder sich wieder verabschiedet. Dafür können wir viele Gründe nenne, oft ganz praktische.

Sicher, es gibt viele lebendige Gemeinden, auch wir gehören sicher dazu. Trotzdem können wir nicht übersehen, dass die Kirche in den letzten Jahren viele jungen Menschen verloren hat. Da dürfen wir uns fragen, wie wir sie wieder gewinnen können. Wo finden jungen Menschen jene Schätze, die sicher aus dem Leben von uns allen nicht mehr wegzudenken sind? Wo lernen sie zu beten, miteinander Abenteuer zu suchen, sich für soziale Aufgaben einzusetzen? Wo feiern sie Feste? Wo können Jugendliche sich im sozialen Gefüge ausprobieren, lernen, sich in der Gruppe zu verhalten, werden auch zu Führungspersönlichkeiten ausgebildet? Wo lernen sie, gute Freunde zu sein, Menschen, die ein Auge für die Not anderer haben? Und dann den Mut, Traurige oder Verlassene anzusprechen? Wo lernen sie Selbstbewusstsein? Wo lernen sie Gott kennen?Wo bekommen sie Bildungsangebote in der eigenen Religion, über die Bibel, über die Kirche, über unsere heutigen Aufgaben?

Karl Rahner, ein großer Theologe und Konzilsteilnehmer, nutzte oft das Bild von der Glut unter der Asche. In der heutigen Kirche hat sich recht viel Asche über den Kohlen angehäuft, dass wir vielleicht manchmal rat- und hilflos werden könnten.
Wie können wir die Asche entfernen, so dass die Flamme der Liebe neu aufflackern kann? Zunächst müssen wir nach diesem Feuer suchen. Wo sind die Menschen, die helfen wie der gute Samariter? Die glauben wie der römische Hauptmann? Die begeistert sind wie Johannes der Täufer? Neues versuchen wie Paulus? Vertrauen wie Maria Magdalena? Wir sollten wieder zur Glut durchdringen, und wie das gelingen kann zeigt uns heute auch Jesus. Manches gehört immer wieder erneuert, manches gehört „rausgeschmissen“, manches auch einfach gereinigt, damit es wieder strahlen kann in unserer heutigen Zeit. Um nichts anderes geht es im Evangelium des Kirchweihfestes, der sogenannten Tempelreinigung. Jesus macht auch hier gleichsam einen gründlichen Kirchenputz, um wieder die Glut unter der Asche zu heben, wieder zum Kern durchzudringen. Doch geht es ihm nicht nur um den Tempel aus Steinen, ganz deutlich spricht er im zweiten Teil des Evangeliums ja vom Tempel seines eigenen Leibes. Und die Lesung übersetzt uns dieses Bild in unser Leben, wenn es heisst: Ihr seid eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Gottesvolk, der Ort, an dem Gottes Gegenwart und Liebe spürbar sein sollen, damit Leben und Heilung in die Welt hineinkommen kann. Und dann lassen wir uns zu lebendigen Steinen zu einem geistigen Haus aufbauen. Dann können wir Heimat sein für die Menschen unserer Zeit, könenn gemeinsam auf dem Weg sein als pilgerndes Volk Gottes, dann bleiben wir dynamisch und sind in der Nachfolge Jesu, indem wir die frohe Botschaft durch unser Leben, unser Gemeindeleben, ja durch das ganze kirchliche Wirken der Welt verkünden.

Predigt zum Fest der Heiligen Familie
von Pfarrer Michael Jäger

Liebe Gemeinde,

Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Das ist einer jener Sprüche, die junge Leute sich auch heutzutage von Erwachsenen sagen lassen müssen. Und die müssen es ja wohl wissen, so möchte man meinen, waren sie doch selbst früher in jener Situation, hoch hinaus zu wollen, aber den Launen der Älteren ausgesetzt zu sein.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Mit solchen oder ähnlichen Sprüchen wurden früher und werden auch heute noch Wünsche und Erwartungen der Jugendlichen niedergemacht, im Betrieb, in der Schule oder zu Hause. In der Tat die Erwartungen der Jugendlichen mögen manchmal überzogen sein; und doch habe ich den Eindruck, dass dahinter noch mehr steckt: Hinter Sprüchen wie diesen steckt die Abwehr der Erwachsenen gegen eine nicht ganz unberechtigte Infragestellung ihrer Lebensweise, ja vielleicht sogar die Abwehr gegen eigene verdrängte Wünsche, die sie selbst in ihrer Jugend hatten. Es ist die Abwehr gegen den Verrat an der Freiheit, den wir begehen mussten, um erwachsen zu werden.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre, das gilt anscheinend auch für den, den die Kirche als ihren Herrn bekennt, für Jesus Christus. Die Evangelisten berichten viel von Jesus, und doch konzentriert sich alles auf seine Jahre als Wanderprediger, auf die Jahre von seiner Taufe am Jordan bis zu seinem frühen Tod am Kreuz und die anschließende Auferstehung. Eine Ausnahme gibt es nur für das kleine Baby Jesus in der Krippe. Für kleine unschuldige, unselbständige Wesen machen Erwachsene gerne mal eine Ausnahme von ihrer Regel. Aber hinsichtlich der Jugendzeit Jesu, hinsichtlich der Lehrzeit in seines Vaters Werkstatt lässt sich nur feststellen, dass die Evangelisten und mit ihnen die frühe Christenheit daran keinerlei Interesse hatten. Und das gleiche Desinteresse an der Jugend Jesu lässt sich fast komplett durch die ganze Geschichte der Christenheit nachweisen. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre.

Im Gegenzug zu solcher Jugendvergessenheit der Kirche plädiere ich dafür, dass sich die Kirche verstärkt Gedanken um den Jugendlichen Jesus macht. Um ihrer eigenen Zukunft willen sollte Kirche sich mit Jesu Jugend beschäftigen. Das Außerachtlassen von Jesu Jugend nämlich führte im Laufe der Jahrhunderte dazu, Jugendliche als Jugendliche aus der Kirche herauszubefördern. Im Gottesdienst wurden und werden Jugendliche meist nur dann akzeptiert, wenn sie die Verhaltensmuster der Erwachsenen kopieren. Die spezifischen Interessen und Lebensweisen von Jugendlichen finden dort nur selten ihren Ort. Wenn Kirche beginnt, nach Jesus, dem Jugendlichen, zu fragen, dann könnte das auch dem heutigen Verhältnis der Kirche zu Jugendlichen zugute kommen.
Ebenso könnte die Beschäftigung mit dem Jugendlichen Jesus uns Erwachsenen dazu verhelfen, uns selbst besser zu verstehen. Sie könnte helfen, die eigenen psychischen Abwehrmechanismen zu verstehen und aufzubrechen. Denn dass das Desinteresse an Jesu Jugend mit den gerade skizzierten Verdrängungen zu tun hat, das steht außer Frage.

Wie könnte es also aussehen, wenn man beginnt, nach dem Jugendlichen Jesus zu fragen?

Das heutige Evangelium kann uns da sicherlich etwas weuter helfen. Es ist die Geschichte vom 12jährigen Jesus im Tempel, die einzige biblische Geschichte vom Jugendlichen Jesus.

Betrachten wir in dieser Geschichte nur Jesus und seine Eltern, dann ergibt sich: Jugendliche und Erwachsene leben in verschiedenen Welten, und sie gebrauchen anscheinend seit 2000 Jahren die gleichen Worte, um das gegenseitige Unverständnis auszudrücken. "Warum tust du uns das an?" fragen die Eltern, und vielleicht ist es kein Zufall, dass es gerade die Mutter ist, die so fragt. - "Warum sucht ihr mich überhaupt?" ertönt die Gegenfrage des Sohnes.

Anders die Beziehung Jesu zu den Schriftgelehrten. Jesus sitzt in ihrer Mitte, so sagt es der Text, er hört ihnen zu, stellt Fragen und gibt Antworten. Das bedeutet mehr, als dass Jesus ein frühreifer Rabbi ist. Es könnte vielmehr ein Modell für einen angemessenen Umgang mit Jugendlichen sein. Drei Punkte möchte ich in aller Kürze herausheben.

Erstens: Jesus sitzt in ihrer Mitte. Oder anders gesagt: Die Schriftgelehrten geben dem Jugendlichen einen Platz, an dem er sich setzen kann. Sich setzen, das heißt auch, sie geben ihm einen Ort, wo er zur Ruhe und zu sich selbst finden kann. Dass wir Jugendlichen dabei helfen, ihren Ort in der Gesellschaft zu finden, ist heute so nötig wie damals.

Zweitens: Jesus hört zu und fragt. Und die Schriftgelehrten stehen Rede und Antwort. Sie haben Standpunkte und vertreten diese. Auch heute brauchen Jugendliche genau dies: Erwachsene als ein wirkliches Gegenüber, mit überlegten Positionen, an denen sie sich reiben können, an denen sie ihre eigene Entscheidungsfähigkeit üben. Was sie nicht brauchen, sind Erwachsene, die vorgeben, für alles Verständnis zu haben, und ihre Unfähigkeit zur Erziehung tarnen, indem sie den Jugendlichen ein guter Kumpel sein wollen.

Drittens und schließlich: Jesus spricht zu den Schriftgelehrten und unterrichtet sie, und die Schriftgelehrten hören zu und lassen sich belehren.
Auch heutige Jugendliche suchen Erwachsene, die ihnen zuhören, die ein offenes Ohr für ihre Ansichten haben. Sie suchen Erwachsene, die sich nicht auf vorgefertigte Meinungen zurückziehen, sondern offen dafür sind, neue Erfahrungen zu machen.

Drei Ansatzpunkte für ein besseres Miteinander. Das hört sich nicht nach viel an. Doch es ist ein großes Programm. Wenn wir als Gemeinde, als Kirche in den verschiedenen Generationen miteinander auf dem Weg sind, dann können wir auch eine für Jugendliche anziehende Kirche sein. Denn die Jugend ist nicht erst die Zukunft der Kirche, sondern bereits die Gegenwart. Ebensdies will uns das heutige Evangelium zeigen und uns Mut machen, mit diesem Jesus und den heutigen Jugendlichen neue Wege zu gehen und dem guten Gott zu vertrauen. Ich bin überzeugt, dies ist der richtige und ehrliche Weg, auf dem wir Gott entgegen gehen.

Das Hirtenwort des Bischofs
zur Fastenzeit 2014

Bischof Dr. Heiner Koch – seit einem Jahr Bischof von Dresden-Meißen – hat sein erstes Hirtenwort zur Fastenzeit
an die Gemeinden des Bistums gerichtet:

Hier die PDF-Datei zum Herunterladen

Er fordert die Gläubigen auf, ihm auf den Brief zu antworten.
Wer das tun möchte, sende seine Post an folgende Adresse:

Bischof Dr. Heiner Koch,
Käthe-Kollwitz-Ufer 84
01309 Dresden

 

Figurenpredigt

am Dreifaltigkeitssonntag 2015

   

   

gehalten von Pfarrer Thomas zum Kindergottesdienst


Predigt
am Pfingstmontag, 16. Mai 2016
Gehalten am Pfingstmontag in der evangelischen Kirche in Böhlitz-Ehrenberg durch Pfarrer Thomas Bohne


zum ökumenischen Gottesdienst
(Johannes-Weyrauch-Platz 1)

Ich weise darauf hin, dass mir hier fast ein Kuckucksei ins Predigtnest gelegt wurde.
Denn die heutigen Lesungen für diesen Gottesdienst sind der evangelischen Leseordnung für den Pfingstmontag entnommen
Und nach dieser Ordnung ist auch Matthäus 16 dran, die Stelle mit der Übertragung der Schlüsselgewalt an Petrus; ökumenisch nicht ganz einach-vor allem wenn  ein katholscher Pfarrer bei einem ökumenischen Gottesdienst darüber reden soll. Doch will ich mich dieser Herausforderung stellen und nicht herausmogeln.
Zunächst lassen Sie mich aber etwas zu 1 Kor 12 sagen, das haben wir zu Beginn gehört,
da kann ich mich auch erstmal etwas „auf  Betriebstemperatur reden“,  um dann für die Stelle mit dem Petrus fit zu sein.
Also: zu 1 Kor 12:
„Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.“
Also: Der Paulus, der Paulus tritt hier quasi bei den Korinthern auf die Bremse.
Beispielsweise beim Zungenreden. Das war durchaus nicht selten. Zungenreden kam im damaligen Korinth häufiger vor. Und es war durchaus anzutreffen, dass irgendeiner in Korinth im Namen irgendeines Gottes unverständlich daherredete und sich für göttlich inspiriert hielt. Und das Göttliche war in Korinth vielfach präsent; denn  Korinth war durch Götter, Tempel und Ähnliches  voller Religion!
Und da mahnt der Paulus zu Zurückhaltung solcher Gaben. Solche Gaben sollen sich nach seiner Meinung einordnen unter den einen Geist; Oder: einordnen, wie sich die Glieder an einem Leib einordnen. Dann ist das Zungenreden ein Dienst am Leib Christi, wie andererseits das Saubermachen des Kirchenraumes: alles dient dem einen Christus, diesem einen Leib.
Und jetzt zur Matthäusstelle, Mt 16, zu Petrus.
Zitat: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“;
Petros meint im Griechischen „Stein“ oder Petra meint „Fels“. Aramäisch heißt das dann Kefa, griechisch umgeschrieben: Kephas - ich kann kein Aramäisch, aber ich habe das in einem Kommentar gelesen.
Letztlich, so meine ich, geht es bei dem Petrus um ein Aufschließen in Richtung der Person Jesu.
Dieser Jesus ist der Stein, der Felsen, das Fundament von allem anderen.
Und Petrus kennt den Jesus, er kennt ihn vor – er  kennt ihn nach der Auferstehung.
So wie Paulus uns das in einer anderen Stelle des ersten Korintherbriefes einmal übermittelt hat.
Vgl: 1Kor 15, 3-5: er ist gestorben, begraben, auferstanden, dann erschienen - erst dem Kephas, dann den 12.
Dieser Petrus kennt den Auferstanden, er kennt den, der das Leben für alle erworben hat – unzerstörbar erworben.
Und jetzt noch der Papst: Papst Franziskus – auf den warten Sie doch noch! Oder?
Zurzeit haben es ja die Prediger ganz gut, die zum Thema Papst und Kirche etwas sagen wollen und müssen: diesen Franziskus finden alle gut-selbst die Linken und die Grünen - die Grünen habe ja seine Enzyklika über die Schöpfung (Lauda to si) zuerst gelesen und gelobt, für gut befunden.
Aber gerade Franziskus – jetzt kam er wieder in aller Munde, als er den Karlspreis verliehen bekam-ein europäischer Preis.
Und da gaben sich die wichtigsten Vertreter Europas quasi die Klinke in die Hand-die haben den Papst gebeten; quasi: hilf uns. Und dabei haben gerade sie vor einigen Jahren erst  den Gottesbezug aus der Präambel der Europäischen Gemeinschaft gestrichen. Und nun erhält eine Welt- und Schlüsselfigur des christlichen Glaubens einen europäischen Preis und spricht zu ihnen über Europa:
"Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? Was ist mit dir los, Europa, du Mutter von Völkern und Nationen, Mutter großer Männer und Frauen, die die Würde ihrer Brüder und Schwestern zu verteidigen und dafür ihr Leben hinzugeben wussten?"
Der Papst erinnert an Europa als ein Europa großer Werte, großer christlicher Werte:
Solidarität, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Frieden.
Aber dieses an Werten so reiche Europa ist gerade dabei höchst ungerecht zu werden-Korruption wird fast zum Kavaliersdelikt und zum Motor einer ungerechten Wirtschaftsordnung und es ist dabei die Nächstenliebe aufs Schändlichste zu verletzen, wenn es Flüchtlinge vor der eigenen Haustür ertrinken lässt und „das Mittelmeer zu einem Massengrab“ macht. Das übrigens hat der Papst den Europäern schon im vergangenen Jahr mit einer Rede in Straßburg vor dem europäischen Parlament quasi ins Stammbuch geschrieben.
Und er mahnt nun weiter, dass es doch nicht sein kann, Flüchtlingen einfach durch neue Grenzanlagen, die Tür vor der Nase zu zuschließen.
Das tut ein Mann, der in der Tradition des Petrus steht – jenem wurden ja die Schlüssel des Himmelreiches übergeben, damit er die Türen zu diesem das Leben gewonnenen Christus  aufschließt und zwar nicht nur für einen Teil der Menschen, für alle Menschen.
Kehren wir noch einmal zurück zum Gedanken des einen Christus:
Viele Glieder ein Leib.(vgl. 1 Kor 12,12)
Dieser eine Christus, für die eine Menschheit - lässt sich nicht teilen, so wie sich die Menschheit nicht teilen lässt: in die einen, die reich sind  und im Überfluss leben und in die anderen, die arm, chancenlos sind und am Rande unserer einen Welt vegetieren.
Sicherlich, auch der Papst weiß um die Probleme dieser gegenwärtigen Flüchtlingsströme nach Europa, er differenziert auch. Im vergangenen Jahr hat er in Zentralafrika den jungen Leuten dort entgegengerufen, sie sollten in ihrem Land bleiben, sie sollen ihr eigenes Land vor Ort aufbauen.
Doch dieser Schlüsselbewahrer mahnt alles an, was die Tür zum Leben, zum Leben spendenden Christus verschließt und lobt, fördert-was das Tor zum Leben öffnet.
Liebe Gemeinde;  in einer Woche ist hier in Leipzig Katholikentag. Der Papst kommt nicht-darauf kommt es auch gar nicht an. Auch nicht,  dass das Ganze Katholikentag heißt. Sondern es geht um ein Christentreffen. Die Leipziger außerhalb der Religion werden auf uns alle schauen. Sie werden schauen, wo wir aufschließen-welche Türen wir öffnen. Sie werden auch schauen welchen Fragen gegenüber dem gegenwärtigen Leben  wir uns eher verschließen. Sie werden schauen ob und wie offen Christen miteinander umgehen. Sie werden sicherlich schauen und wahrnehmen, für wen die Türen beim Katholikentag verschlossen sind und bei welchen Lebenshaltungen es keine Gesprächsbereitschaft gibt.
Schlüssel zu diesem Christus, der gestorben, begraben, auferstanden und dem Kefas, den anderen erschienen ist, halten wir sicherlich alle in der Hand: Das sind wir: Schlüsselbewahrer zu dem einen Christus, der mit so vielen, unterschiedlichen Gliedern Mensch geworden ist.

 

Predigt

28. Sonntag im Jahreskreis (09.10.2016)

Liebe Gemeinde,

von Wundern ist in den heutigen Lesungen die Rede. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Frage, ob überhaupt Wunder möglich sind? Nein, letztlich geht es in diesen Texten darum, wie jemand mit Wundern umgeht-sich zu ihnen verhält. Der Syrer Naaman bekehrt sich letztlich zu diesem einen Gott Jahwe, in dessen Namen der Prophet Elischa ein Wunder vollbracht hat.

Und Jesus fragt nach seiner Heilung der 10 Aussätzigen: „Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?“ (Lk 17,18)

Heute ist in Leipzig mit dem 9. Oktober ein Tag-dieser Sonntag, an dem viele Leipziger und viele Menschen darüber hinaus ebenfalls an ein Wunder denken: Am 9. Oktober 1989 setzte die Staatsmacht DDR widererwartend keine Gewalt ein. die Demonstration verlief friedlich, mit dem Ruf: „Wir sind das Volk“ Und das Volk der DDR setzte von unten kommend – von der Straße - immer mehr seinen Willen durch.

Kurz danach hing im Süden, in Markkleeberg – südlich von Leipzig - an einer Brücke ein Transparent mit der Aufschrift: „Kirche wir danken dir“. Das hat bestimmt nicht die Ministranten-Gruppe von Markkleeberg da hingehängt - das waren Leute von außen; außerhalb der Kirche. Kirchen-Fremde!

Ja wir können mit Blick auf diesen Dank sogar sagen, wen diese Leute als Quelle für dieses Geschehen erkannt haben: Kirche-Gottes Gründung. In der Kirche gab es allerdings zu dieser Zeit viele, auch Obere-die haben so ausdrücklich nicht Gott und Kirche gedankt. Viele in der Kirche waren damals lange sprachlos und unentschlossen.

Die Frage Jesu: 18Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? (Lk 17,18) - sie gilt durchaus auch uns, die wir in dieser Kirche sind-auch Verantwortung in ihr übernommen haben! Es geht darum, Gott als Quellgrund für Vieles in der Welt – ob in der großen Welt oder in meiner kleinen Welt – zu erkennen.

Täglich beten wir das „Vater unser“: „Wie im Himmel, so auf Erden“. Da geht es um nichts anderes, als die Wunder Gottes zu erwarten: Zeichen, dass Gottes Himmel, Gottes Welt, unter uns sichtbar wird. Dieser Himmel funktioniert nach vollkommen anderen Gesetzen, anders wie unsere Welt - „wunderbar“ wäre dann die richtige Beschreibung dafür. Nehmen wir das „Vater unser“ ernst. Schauen wir aus nach den Zeichen Gottes in dieser Welt. Und: danken wir dafür wie die Fremden.

Auch wenn wir dafür mal einen Schritt zurückgehen müssen, mal innehalten müssen, mal uns besinnen müssen. Amen.

Predigt am Reformationstag von Pfarrer Thomas Bohne

Liebe Gemeinde,

keine Angst ich predige nicht so lange; zum Mittagessen sind Sie pünktlich daheim.

Ich will auch nur drei Gedankensplitter nennen, die mit dem heutigen Tag und dem Predigttext in Beziehung stehen.

Ein Erster: Ein Persönlicher Bezug. Als Du, lieber Jürgen Grabner zu uns in das Stadtgebiet im Leipziger Süd-Westen kamst, dachte ich mir: Den kennst Du.

Dann habe ich eine Weile überlegt und kam dann drauf-ich kannte Dich aus dem Kino.

Ja, Du warst einer der Protagonisten aus dem Film PFARRER, der vor 2 Jahren auch hier beim DOK-Festival lin Leipzig lief. Es ging um junge Vikare, die sich auf ihren Dienst in einer Ausbildungsstätte in Wittenberg vorbereiteten. Du gehörtest damals dort zu ihren Ausbildern. Der Film beeindruckte durch die lebensnahe Beobachtung über ein ganzes Jahr hinweg – eingerahmt in den natürlichen Ablauf der vier Jahreszeiten. Das Filmteam mit den Regisseuren Stefan Kolbe und Chris Wright gab sich als atheistisch und ungläubig.

Doch dann passierte im Film das fast Unglaubliche, dass die Protagonisten bei einer Predigtübung den Filmemachern zuriefen: Was glaubt denn ihr?

Und während der eine Regisseur weiterfilmte, stand der andere Rede und Antwort. Das war dann ein Dialog auf Augenhöhe von gläubigen Christen mit einem Vertreter einer unchristlichen Umwelt.

Letztlich war es dann bei diesjährigen Katholikentag in Leipzig gar keine Frage, dass dieser Film zum Thema Glauben in säkularisierter Umwelt ins Filmprogramm des Katholikentages kommt.

Das war ein inzwischen selbstverständlicher Ausdruck dafür, dass wir, evangelische wie katholische Christen, beim Thema Glauben in einem Boot sitzen: In einer Umwelt, die immer weniger glaubt.

Zweiter Gedankensplitter: Als ich den heutigen Predigt-Text aus Johannes 15 mit der Bildrede vom Weinstock sah, mußte ich an einen Besuch mit Gemeindemitgliedern am 8. Oktober in Wittenberg denken. Da hing in einer Kirche auch ein Bild vom Weinstock-ja vom Weinberg. Nur, dass da auf einer Seite ein verwüsteter Weinstock gezeigt wurde, auf der sich die katholischen Vertreter aufhielten. Die andere Seite zeigte einen blühenden und üppig grünenden Garten-dort waren die Reformatoren abgebildet.

Das war Propaganda vor 500 Jahren, aber die Zeiten sind vorbei. Heute fragen wir eher nach unserer gemeinsamen Verantwortung für diesen Weinstock. Und heute werfen wir uns auch nicht gegenseitig Fehler vor-sondern fragen, wo unser Christuszeugnis nicht glaubwürdig, in dieser Umwelt nicht überzeugend war.

Kleine Bemerkung am Rande: An diesem 8. Oktober besuchte Königin Sylvia aus Schweden die Lutherstadt Wittenberg und pflanzte dort einen Baum. Das ist für diesen ökumenischen Gottesdienst am Reformationstag hier im Leipziger Südwesten nicht ganz uninteressant. Denn Ihr Onkel, Professor Sommerlath, beteiligt sich noch zu Zeiten einer strikten Trennung von evangelischen und katholischen Christen in den sogenannten Una-Sancta-Kreisen, die es hier in unserem Stadtgebiet bereits in den 30-iger Jahren gab. Dort haben evangelische

und katholische Theologen in nahezu konspirativen Sitzungen Gemeinsamkeiten zu leben versucht. Dass wir heute, am Reformationstag, hier in dieser Bethanienkirche den ersten Ökumenischen Gottesdienst feiern-ist auch eine Frucht dieser frühen ökumenischen Anfänge.

Dritter Gedankensplitter:

Ich trage bewusst diese weiße Stola über meiner Albe.

Wir feiern ein Christusfest. Das zeige ich damit an. In der katholischen Kirche wird immer ein Christusfest mit der liturgischen Farbe Weiß gefeiert: Weihnachten Ostern, Himmelfahrt. Ich finde das auch an diesem Reformationstag sehr passend. Haben nicht gerade die Reformatoren Christus, der uns zuerst im Evangelium begegnet, wieder nahe gebracht. Daher kommt ja auch letztlich der Name für die spätere Konfession: evangelisch.

Und wir können auch als Katholiken aus ganzem Herzen mitfeiern: Verdanken wir doch gerade den Reformatoren und speziell Martin Luther eine Wiederentdeckung: das allgemeine Priestertum aller Gläubigen. Was daraus dann wurde: der Lektorendienst, Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer, Diakonatshelfer – das alles ist aus dem Katholischen Gottesdienst nicht mehr wegzudenken. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65), also 450 Jahre nach der Reformation, gehört das beispielsweise zur unumstößlichen katholischen Lehre, wie auch die Wiederentdeckung der Heiligen Schrift als entscheidende „Urkunde unseres Glaubens“.

Nun bin ich da auch schon an einem Ende und kann nichts anderes tun, als zum Glaubensbekenntnis überzuleiten, dem gemeinsamen Gott, der seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt gesandt hat:

(GLAUBENSBEKENNTNIS-Glaubenslied)

Predigt am Reformationstag von Dr. Jürgen Grabner

Liebe Schwestern und Brüder!

Am Obststand im Supermarkt gibt es eine vielfältige Auswahl. Neben Äpfeln, Birnen und Weintrauben entdecke ich auch exotische Früchte. Wie die heißen, weiß ich meist nicht. Wenn ich einkaufe, interessiert mich in erster Linie die Frucht. Wie sie gewachsen ist und wie sie heißt, bleibt zweitrangig.

Ein Obstgärtner hat eine ganz andere Sicht auf Früchte als ich; egal ob er Obstanbau als Hobby oder beruflich betreibt. Ein Gärtner weiß, was für gute Früchte nötig ist. Das Wetter kann er zwar nicht beeinflussen. Aber er pflegt die Obstbäume und -büsche. Der Gärtner beschneidet die Pflanzen. Er gießt, düngt und stützt sie ab. So bringt die Pflanze Früchte hervor. Die Früchte wachsen, gedeihen und werden reif.

Jesus erzählt vom Weinstock und den Weintrauben. Die Arbeit eines Gärtners war den Menschen damals sehr vertraut. Denn die meisten hatten ein kleines Feld oder wenigstens ein paar Beete.

Jesus vergleicht sich selbst mit dem Weinstock. Seine Freunde und Weggefährten bezeichnet er als die Reben, die Früchte. Und er sagt: ‘Ein ertragreiches, ein fruchtbares Leben ist für euch dann möglich, wenn ihr mit mir verbunden bleibt. Von meiner Seite und von der meines Vaters ist alles getan. Ihr habt ja mein Wort. Das Wort ist wie die Nahrung. Es lässt euch wachsen und hält euch lebendig. Und mein Vater, der Winzer, pflegt sorgsam die Früchte. Damit hat er beste Voraussetzungen geschaffen. So kann alles gut gedeihen. Eine reiche Ernte wird heranwachsen. Darauf könnt ihr euch verlassen!‘ – Wichtig ist für Jesus die bleibende Verbindung zwischen Weinstock und Reben. Fast beschwörend wird das von ihm betont.

500 Jahre nach der Reformation erinnern wir uns heute gemeinsam an Christus, den einen Weinstock. Ob katholisch oder evangelisch – wir hängen alle an demselben Stamm. Und sämtliche Reben am Weinstock haben die gleiche Aufgabe: Früchte zu bringen! Die Früchte an einem Weinstock sehen unterschiedlich aus. Es gibt größere und kleinere. An der einen Rebe hängen viele Trauben, an der anderen weniger. Aber ihre Nahrung beziehen sie alle aus demselben Stamm. Und es gibt auch nur einen Weingärtner: den dreieinigen Gott.

Als Lutheraner und Katholiken leben wir unseren Glauben jeweils unterschiedlich. Aber wir sind alle dieselben Früchte – oder manchmal vielleicht auch Früchtchen. Dass wir zusammengehören, haben wir nicht selbst gemacht. Das verdanken wir dem einen Weinstock: Christus. Mit ihm sind wir verbunden. Und das hält uns auch untereinander zusammen. Im Lauf der Geschichte wurde das leider vergessen. Aber seit etlichen Jahrzehnten erinnern sich Christinnen und Christen beider Konfessionen wieder daran: Wir gehören zusammen! Hier im Leipziger Südwesten haben ökumenische Gottesdienste und gemeinsame Bibelwochen eine gute Tradition. Das ist wie die nährende Verbindung der Reben zum Weinstock. So wird unser Glaube fruchtbar und ertragreich. Auch im heutigen Gottesdienst zeigt sich: Wir gehören zu Christus, dem Weinstock genauso wie zueinander. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Und dafür bin ich Gott dankbar.

Jesus ermutigt zu einem verbindlichen Leben. Wir sollen mit ihm und unseren Mitmenschen verbunden bleiben. Weil er uns nahe ist, können wir einander nahe sein. Das hat Jesus vorgelebt. Er blieb in Verbindung zu Gott und war für seine Freunde und Weggefährten genauso da wie für Ausgegrenzte und Fremde. Und in seinem Geist und seinem Wort ist er auch für uns da. Er bleibt uns treu. Sein Wort stärkt uns heute. So können auch wir treu beieinander bleiben. Das macht unser gemeinsames Christsein aus: Miteinander verbunden sein über Konfessions- und Gemeindegrenzen hinweg. Durch die Verbindung zum Weinstock gibt es viele lebendige und durchaus unterschiedliche Früchte.

Vielleicht erinnern Sie sich beim nächsten Einkauf am Obststand im Supermarkt an die Zusage Jesu: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ Das feiern wir dankbar in diesem ökumenischen Gottesdienst.